BEATE SCHREITER-RADEL – VERSUCH EINER EINORDNUNG
Erst in den 1970er Jahren war das „voreilig für tot erklärte Medium Malerei wieder auf dem Weg, sich an der Spitze des Kunstbetriebs zu etablieren und die damaligen konzeptuell orientierten Avantgardeströmungen zu verdrängen“ (Essay von Florian Steininger – in: Ingried Brugger, Florian Steininger (Hrsg.): Herbert Brandl. – Buch erschienen zur Ausstellung 26.1.-15.4.2012 Bank Austria Kunstforum. – Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2012. S.11f.)
Loys Egg, der Herbert Tasquils Klasse an der Universität für angewandte Kunst in den frühen 80ern assistierte, führte die Studierenden, vor allem auch Herbert Brandl, in die aktuellen Tendenzen der Malerei ein. Impulsgebende Aspekte dabei: Kombination aus Malerei und bildfremdem Material.
Beate Schreiter-Radel beginnt 1993 an dieser Meisterklasse zu studieren. Die Tradition der Kunst Herbert Brandls ist zu diesem Zeitpunkt nostalgisches Bekenntnis zu Impressionismus und Expressionismus. Radikaler konnte der Gegensatz zur künstlerischen Haltung Peter Weibels nicht sein, der Pionier der Neuen Medien hatte damals zeitgleich eine Meisterklasse an der Angewandten. Sonnenblumen im Stil van Goghs gehörten für ihn einem anderen, längst vergangenen Jahrhundert an.
Auch Franziska Maderthaners Kunst, die zu dieser Zeit bei Herbert Tasquil und davor Martin Kippenberger assistiert, ist ein radikaler Bruch mit der konzeptionellen Kunst, denn sie ist eine Hommage an die Malerei. Zu dieser Zeit weiß Beate Schreiter-Radel noch nicht, wie sehr auch ihre Kunst von der Generation der „Jungen Wilden“ beeinflusst wird und an das „Neue Tafelbild“ aus den 80ern wie auch Herbert Brandl, Hubert Scheibl, Siegfried Anzinger und viele andere anschließt. An ihrer Meisterklasse unterrichtet auch Helga Philipp, die noch dem Stil der Op-Art verpflichtet ist. Mit der Übernahme der Klasse durch Franz Graf lernt Beate Schreiter-Radel einen völlig neuen Zugang zur Malerei kennen.
Wolfgang Zinggl hält zu dieser Zeit Vorlesungen an der Angewandten („Morphologie der Bildenden Kunst I und II), die Schreiter-Radel sehr beeindrucken. Am meisten faszinieren Schreiter-Radel aber die Werke ihrer Studienkollegin Bernadette Rosa Müller, die ihre Gefühle in Ölmalerei packt. Später tut sie dies mit Mischtechniken und Aufbringen bildfremden Materials auf die Leinwand.
Als Schreiter-Radel Siegfried Anzinger im Jahr 2007 im Zuge des Glasfensterauftrages der Neudörfler Pfarre in der Glasmalerei Stift Schlierbach kennenlernt, erkennt sie erst die Künstlerische Nähe zu Anzingers Arbeit. Auch Anzinger ist beeindruckt von den Glasfenstern und holt sich für seinen Auftrag für sein Glasfenster Hl. Johannes Evangelist für die Weyer Pfarrkirche 2008 Anregungen.
Doch entwickelt Beate Schreiter-Radel ihre eigene Bildsprache, die sich von ihren Kollegen deutlich unterscheidet. Sie experimentiert gerne, legt aber besonderen Wert darauf, dass in ihren Bildern auch das malerische Handwerk, das „malerische Können“ zum Vorschein kommen soll. Sie wendet sich aus diesem Grund auch der Portraitmalerei zu, die sie im Sinne Rembrandts perfektionieren möchte. Ein großes Vorbild ist für sie die Wiener Tradition mit Egon Schiele und vor allem Gustav Klimt, mit seiner Ornamentik und den Goldtönen in Verbindung mit dem menschlichen Gesicht.